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Krippenbild 2016

Um die Krippe herum hat sich inzwischen viel versammelt an Gott und  Welt. Der Stern leuchtet oben drüber, das Leitbild für mein Leben. Maria trägt ein Kopftuch als ihr Symbol. Einer der Könige hat einen  katholischen Weihrauchkessel. Die Weisen aus anderen Religionen verehren  das Kind und bitten, dass es ihnen Zukunft schenke. Ein Kamel erinnert an die weiten Wege und die Wüsten, durch die wir manchmal müssen, bevor wir finden, was wir suchen.
Dann steht noch der Baum daneben. Ich weiß nicht, ob er die Rache für das  Abholzen der Donareiche durch Bonifatius ist - unsere germanischen Vorfahren haben jedenfalls als neues Baumheiligtum den Christbaum hinzugefügt. Der verträgt sich im Weihnachtsensemble heutzutage bestens mit Krippe und Stall.
An den Baum wiederum kann jeder seine persönliche Vielfalt von kleinreligiösen Symbolen hängen: Von den Perlen des Glaubens über Engel, Sterne, Kerzenlichter bis hin zu Jungfrau, Stier und Weihnachtsmann. Die Musik dazu: „Stille Nacht,  heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht nur das traute hoch heilige  Paar, holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh, schlaf  in himmlischer Ruh.“

In  all den Aufgeregtheiten unserer Zeit, in dem hin- und her und vor und  zurück, zwischen „wir schaffen das“ und der Obergrenze für’s Schaffen,  zwischen Brexit und allzu vielen, die nach Europa herein wollen, zwischen angeblich leeren Kirchen und neu zu bauenden Moscheen, zwischen Angst vor Terror und dem terrorisieren derer, die bei uns Zuflucht suchen: In all dem, wo man sich heute hier und morgen da aufregt, in all  dem vermittelt die Weihnachtsgeschichte eine heilsame Ruhe, guten Schlaf, himmlische Gelassenheit: Stille Nacht, heilige Nacht schlaf in himmlischer Ruh!
Denn im Grunde ist  noch alles wie es war. Die Weihnachtsgeschichte geht unverändert weiter, prägt unsere Sprache, prägt unsere Lebenswelt, vereinigt uns zur Christenheit und sendet neue Impulse aus.
Manchmal  werde ich gefragt: Wie geht es denn weiter mit der Kirche? Ich antworte: wie die Zukunft der Kirche aussieht – nun da muss ich nur ein paar Treppenstufen im Pfarrhaus hinabgehen, und ich finde im angrenzenden Kindergarten gleich zehn Kinder in Windeln gewickelt und in einer Krippe spielen. Die werden inzwischen ganz professionell entwickelt, von Erzieherinnen mit Examen. Die Warteliste ist lang, die Krippenplätze sind hoch begehrt. Es ist eine bunte Gesellschaft, die sich da in unser Kita versammelt hat - als Kirche von morgen:  reformierte Lutheraner, gute evangelische Katholiken, Muslims oder  Atheisten aus dem Osten. Doch zum Krippenspiel sind sie alle in der  Kirche.
Oder: Gehen sie in diesen  Tagen auf einen beliebigen Marktplatz oder auf einen der  Weihnachtsmärkte - wahrscheinlich waren sie ja schon da: „Ihr werdet  finden, das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend!“ So  christlich war Europa nie, jedenfalls wenn man es weihnachtlich sieht.
Wir erleben in diesen Tagen allerdings auch, wie gefährdet dieses weihnachtliche Europa ist. Auf einem  Weihnachtsmarkt finden wir nicht nur das Kind in der Krippe, sondern  auch die Blutspur eines Lastwagens der viele überrollte. Auch dies  gehört immer noch zur Weihnachtsgeschichte: (Matthäus 2, 13) "Herodes hat  vor das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Er ließ alle Kinder in  Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter  waren“. Blinder Terror gegen völlig Unschuldige, viel Weinen und  Wehklagen.
Nachdem die Weisen, die Elite der Völker, bei ihm war und ihn mit Gold, Weihrauch und Myrre beschenkt hat findet sich das Kind unter den Flüchtlingen wieder – und wirkt nun auch dort zum Heil der Welt. Auch sie gehören hinein in die  Weihnachtsgeschichte.   

„Fürchtet euch nicht“ steht  als Wort des Engels über der Geschichte. Der Heiland ist euch geboren.  Er verbindet die Wunden, er verbindet die Welt zur Heimat für alle  Menschen. Trotz allen Finsternissen und aller Nacht, trotz Weinen und  Wehklagen - die Geschichte geht gut aus.
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