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Die Weihnachtsgeschichte - mehr als wirklich

Da sitzen sie also ganz gespannt im Kreis und lauschen der Geschichte. In der Mitte liegt der Stein, mit dem David einst den Riesen Goliath besiegt hat. Das Horn mit dem Salböl, mit dem Samuel ihn zum König macht, zum Messias, zum Christus dem Gesalbten, habe ich auch dabei, und jeder, der will kriegt etwas davon auf die Stirn. Vom Hirtenstab des David habe ich allerdings nur das Oberteil. Aber auf einen Besenstiel gesteckt sieht es auch gut aus.
Am Ende fragt dann eines der Kinder meiner Reliklasse: „Ist der Stein echt? Ist das so geschehen? War diese Geschichte wirklich so?“ Ich antworte: "Mehr als wirklich und es ist tausendmal geschehen. Zum König gesalbt worden, zu Christen geworden, sind auch die meisten von euch…“ – Und ein kluger Kopf ruft dazwischen: „Ich weiß - bei der Taufe!“
Manchmal ist allerdings auch Enttäuschung da, wenn wir die Weihnachtsgeschichte in der Bibel nachschlagen und entdecken: Markus, der älteste Evangelist, weiß überhaupt nichts von der Geburt Jesu. Johannes philosophiert über den Anfang der Welt - „im Anfang war das Wort“ - aber so richtig los geht die Geschichte erst mit der Hochzeit von Kana und der Verwandlung von Wasser zu Wein.  Selbst bei Lukas und Matthäus, den beiden Evangelisten mit ganz verschiedenen Weihnachtsgeschichten – da steht nichts vom Stall, keine Wirte, und ob es drei Weise waren oder nur zwei oder gar fünf wird auch nicht berichtet.  Zu Königen sind sie erst später geworden. Ochs und Esel finden wir  erst in nachbiblischer Zeit in dem Stall. Der 24. Dezember wurde Jahrhunderte später als Geburtstag Jesu festgelegt, wegen der Sonnenwende und der Symbolik der länger werdenden Tage. Den Christbaum am Stall haben die alten Germanen hinzugefügt.  Manchmal ist er auch noch mit Äpfeln geschmückt, wie es sich für den Paradiesesbaum im Garten Eden gehört. Dass die Bibel noch nichts von einem Apfel berichtet, stört dabei nicht.
Die Weihnachtsgeschichte ist eine Geschichte aus vielen Wirklichkeiten und deswegen mehr als wirklich. Viele  Generationen haben ihre Geschichten dort hinein geschrieben; Geschichten der Begegnung mit Gott, dem Gott Jesu Christi, dem Vater aller Menschen. Wer weiß, auch wenn unsere Teleskope sie noch nicht entdeckt haben- vielleicht sind da draußen im Universum noch Millionen von Wesen, die den gleichen  Vater  haben, oder heute auch feministisch korrekt, die gleiche himmlische Mutter. Liebe, ewige Liebe, die Logik der Liebe, so benennt Johannes den Anfang aller Dinge, den Grund des Universums. Fleischgewordene Liebe, so benennt er das Wesen Jesu, des Sohnes.
Weihnachten - das ist die ewige Geschichte vom Himmel hoch, mit Martin Luthers Worten: gute Mär. „Der Guten Mär bring ich so viel, davon ich singen und sagen will“.

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