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Kloster

Kloster Hachborn

kurzer geschichtlicher Abriss

um 1130: Die erste Erwähnung von Hachborn erfolgt unter dem Ortsnamen Habechenbrunnun
 
1151  bezeugt der Hachborner Ortsadelige „Volpertus de Habekebrunnin“ in einer Urkunde die Trennung der Beltershäuser Kirche von der Pfarrei in Ebsdorf. Um diese Zeit waren die Grundherren des Dorfes die Grafen von Gleiberg. Über die Heirat mit einer Tochter des Grafen von Gleiberg kam im späten 12. Jahrhundert die Grafschaft an die Herren von Merenberg.
 
Merenberger Bau auf der Burg Gleiberg1186  Die Gründung des Prämonstratenserstifts Hachborn erfolgt durch eine Schenkung der Herren von Merenberg. Die Brüder Giso und Hartrad der Jüngere hatten dem Prämonstratenserstift Arnstein Eigentum im Dorf Hachborn unter der Bedingung gestiftet, dass der Ort zum Kult gemäß den Vorschriften der Prämonstratenser eingerichtet werde. Bestätigt wurde die Schenkung durch eine Urkunde des Arnsteiner Stifts vom 31. Mai 1186. Wenige Jahre später wurde die Propstei in Hachborn der Mainzer Kirche überlassen.
Hachborn war dabei wohl zunächst ein Doppelstift, in dem Chorherren und Chorfrauen nach der Augustinerregel lebten.
 
1247  Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts wird das Kloster durch eine Meisterin geleitet. Vermutlich war es damit auch zum reinen Frauenstift geworden. Zu diesem Zeitpunkt wird das Kloster auch von einem schweren Brand betroffen.

 
Der Besitzschwerpunkt des Hachborner Stifts lag südlich von Marburg. Insgesamt verfügte das Kloster über Besitzungen in den heutigen Kreisen Marburg, Gießen, Alsfeld, Wetzlar, Biedenkopf und Frankenberg. Zum Besitz des Klosters gehörten neben reinem Grundbesitz auch Mühlen, Fischteiche und Gewässer, städtische Immobilien und Höfe bzw. sogenannte Hofstellen, die das Kloster und seine Bewohner mit ihren Erträgen versorgten. Die wichtigste Mühle des Stifts, die Sandmühle, befand sich in Hachborn selbst. Das Kloster hatte weiterhin auch das Patronat über die Kirche in Ebsdorf.
 
ab 1347 Mit der Ausbreitung der Pest in Europa setzt auch ein Niedergang der Klöster ein. Die Mitgliederzahl nimmt ab. Das Kloster Hachborn gerät bei stark sinkenden Getreidepreisen zudem mehrfach in wirtschaftliche Not. Von einst über 20 Chorfrauen bleiben im 16. Jahrhundert noch 9 übrig.
 
1527 wird das Kloster Hachborn im Zuge der Reformation von hessischen Landgrafen
aufgelöst und Gebäude und Besitz verstaatlicht.
Die letzte Meisterin, Barbara von Lüder (Luder, Luther) hatte noch ein paar Jahre zuvor mit ihrem eigenen Vermögen die verpfändeten Güter des Klosters wiedereingelöst. Jetzt wird sie mit ca. 500 Liter Frucht abgefunden und muss das Kloster verlassen. Über das weitere Schicksal der letzten 9 Stiftsfrauen ist nichts bekannt. Haben einige von ihnen nach dem Vorbild der Katharina von Bora einen Pfarrer geheiratet und so etwas vom Geist des Chorfrauenstifts mit ins evangelische Pfarrhaus genommen?
Die Gebäude wurden verpfändet, dann zum Lehen gegeben und zum Landschloss für die Lehnsherren und Pächter umgewandelt.
 
1789 erwerben 34 Hachborner Genossen das Anwesen zum Abbruch. Das Material wurde beim Bau einiger Häuser in Hachborn wiederverwendet. Bis heute erhalten blieben lediglich ein Teil vom Gewölbekeller, Mauerreste und die Stiftskirche St. Johannes. Der Kirchhof, mit zahlreichen historischen Grabmälern, wurde in den letzten Jahrzehnten abgeräumt.
1821  Das Gelände, auf dem die ehemals klösterlichen, dann herrschaftlichen und nach der Aufteilung des Vorwerks 1789 abgebrochenen Bauten gestanden hatten, wird an Johann Adam Lemmer aus Sichertshausen verkauft. Dieser errichtete auf der zum Dorf hin gelegenen Ecke des Grundstücks ein Anwesen, das nach ihm und seiner Tätigkeit als Kirmesmusikant dann Spillams (aus "Spiel-Adam") genannt wurde. Der hintere Teil des Gewölbekellers wird verschüttet. Der vordere Teil dient als Lagerraum für die Land– und Gastwirtschaft.
 
 
1876  Sein Sohn, Conrad Lemmer d. Ä., baut Scheune und Stallungen weiter aus und betreibt die Gastwirtschaft „Zum Klosterhof“. Diese wird 1938 durch einen Neubau ersetzt. Eine Sommerhütte über dem Gewölbekeller wird als Gartenwirtschaft genutzt.
 
1990 Nach Aufgabe der Landwirtschaft und 1995 auch der Gastwirtschaft erfolgt die Umwandlung der Scheunen, Stallungen und Getreidespeicher zu Wohnungen. Auf dem Klostergelände werden zwei Wohnhäuser gebaut. Zwei weitere Gebäude sind in Planung.
 
Heute stehen auf dem Gelände des alten Klosters neben der Kirche noch das Bürgerzentrum von Hachborn und das evangelische Gemeindehaus mit Kindergarten. Der Gewölbekeller bekommt eine neue Nutzung als Gemeinschaftsraum.
Alljährlich findet auf dem Gelände des Klosters am 3. Advent der Kunst- Kultur– und Weihnachtsmarkt statt mit vielen Austellern und zahlreichen Besuchern aus der Region.  Der obere Klosterteich (Wäschborn) ist im Sommer Treffpunkt für das Wutzdog Festival.
ebenfalls dazu:
Stiftskirche St. Johannes
 
Bis heute als Gotteshaus genutzt wird die Kirche des Stifts, die Johannes dem Täufer  geweiht ist. Auf dem Bild von 1969 sind auch noch die Grabmäler des alten Friedhofs zu sehen
 

Wappen der Prämonstratenser
 
Die Prämonstratenser sind kein Mönchsorden, sondern ein Orden von Chorherren und Chorfrauen, die nach der Ordensregel Augustins leben. Der Orden wurde im 1120 im Tal von  Prémontré in Frankreich gegründet. Anfangs bestanden Doppelklöster für Männer und Frauen. Schwerpunkte der Tätigkeit waren Seelsorge und Diakonie für die sie umgebende Welt.


Grundkarte des Klosters
 
Auf der Grundkarte aus dem Jahr 1698 ist die zum Schloss umgebauten Anlage zu sehen. Im Osten steht die - noch nicht verlängerte - Kirche, im Norden die Klostermauer, von der heute noch ein Stück an der Hachborner Straße erhalten ist. Ebenfalls sichtbar ist heute noch die Wand des Hauses an der Nordseite und der Keller an der Westseite der vierseitigen Anlage. Auf dem Klosterteich und dem Teichgarten steht heute das Bürgerzentrum, im Kohlgarten die Kindertagesstätte.


Klosterhof
 
Ab 1821 baut Adam Lemmer  an der Nordwest-Ecke des Klosterareals Wohnhaus, Stall und Gastwirtschaft zum Klosterhof. Das Gebäude wird 1938 von  Konrad Lemmer durch einen neuen Fachwerkbau ersetzt.
 
 
Feuerwerk  über dem Kloster
 
Die Gebäude sind weitgehend verschwunden aber der Geist ist noch da und realisiert sich von Zeit zu Zeit - wie hier beim Kunst- und Kulturmarkt zu Weihnachten.

Die neue Klostertür
 
„Dilige et quod vis fac“ - „Liebe und dann tu, was du willst“, das Grundprinzip christlicher Ethik nach Augustin könnte auch in Zukunft über dem Eingang zu dem Kloster stehen, das sich durch
Offenheit für die Welt auszeichnete.
 
 
 
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